DB Schenker – schwere Vorwürfe

Die Corona Krise produziert aktuell große und teilweise schwer einschätzbare Verwerfungen am Transportmarkt. Während immer mehr Fuhrunternehmen und Speditionen Kurzarbeit anmelden, weil große Auftragsvolumina etwa aus der Automobilindustrie weggefallen sind, steigt die Nachfrage nach Transporten mit Lebensmitteln oder Hygieneartikeln. Und immer wieder fallen einige Großunternehmen negativ auf, die versuchen, die Corona Krise für sich positiv zu nutzen.

Man denke etwa an das DAX Schwergewicht Adidas, welches erst versuchte, die Zahlung der Ladenmieten seiner Stores auszusetzen, und nach Kritik aus der Gesellschaft doch zurück in die Spur fand, von einem Fehler sprach und sich anschließend entschuldigt hat. Oder denken wir an den Fußballverein Liverpool, der versuchte an Staatsgelder zu gelangen, weil die Geschäftsführung, bzw. die Investoren, der Meinung waren, es herrsche an der Anfield Road nach 4 Wochen Fussballpause wirtschaftliche Not. Im Jahr 2019 gewann man übrigens die Champions League und schloss das Geschäftsjahr mit einem satten Gewinn von 50 Millionen Euro vor Steuern ab. Die Reaktionen waren deutlich, das Image ist stark ramponiert und nun rudert man kleinlaut zurück. Kommen wir zu den heutigen Logistik NEWS:

DB Schenker auf den Spuren von Adidas oder dem FC Liverpool

Jede Branche braucht scheinbar sein eigenes Adidas oder Liverpool und so kommen wir zum  Champions League Teilnehmer der Logistik. Kommen wir zu DB Schenker. Was ist passiert? Regina Weinrich von eurotransport.de berichtete am 7.4. von einem Statement des BGL (Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung), wonach dieser ein Abrutschen in die Illegalität für Teile des deutschen Marktes für Transportdienstleistungen feststellt. Zur Untermauerung veröffentlichte Matthias Rathmann (Chefredakteur trans aktuell + eurotransport) zwei besonders extreme Fälle aus der Frachtenbörse Timocom, bei denen DB Schenker seinem Frachtführer 0,51 bzw. 0,53 Euro pro Lastenkilometer zahlen wollte. Beide Ladungen waren Komplettladungen für Standard-Sattelauflieger. Als Faustformel gilt ein Betrag von 1,25 Euro / Km als kostendeckend.

Illegale Frachtangebote durch DB Schenker

Nach Einschätzung von Branchenkennern kann daher ein Frachtführer, der die Transporte für DB Schenker ausführt, bei diesen Konditionen nicht in Einklang mit der Sozial- und Steuergesetzgebung arbeiten. Der BGL bezieht hier klar Stellung: „Diese Angebote sind illegal, da sie nicht mehr mit den Vorschriften zum Mindestlohn und auch dem Kabotage-Verbot vereinbar sind“. Er fordert die Betreiber von Frachtenbörsen dazu auf, illegale Offerten, wie die von DB Schenker umgehend an das Bundesamt für Güterverkehr und den Zoll zu melden, da diese Angebote nicht mit dem deutschen Mindestlohngesetz und dem Kabotage Verbot vereinbar sein könnten. Die Transportbranche dürfe „nicht dem kurzfristigen Profitdenken einiger Krisengewinnler geopfert werden“, mahnt der BGL. Über Zugriff auf Mautdaten für das BAG (Bundesamt für Güterverkehr, könne Verstößen gegen das Kabotageverbot sofort nachgegangen werden. Da diese Daten keine personenbezogenen sind, wäre dies unter Datenschutzgesichtspunkten möglich.

DB Schenker erhöht Zahlungsziel auf 60 Tage

In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass DB Schenker bereits im Februar für Negativschlagzeilen sorgte, als es im Zuge der Corona Krise plötzlich das Zahlungsziel für seine angeschlossenen Dienstleister von 30 auf 60 Tage erhöhte. Roman Mayer, Vorstandsmitglied im Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT) bezeichnete dies als „Schlag ins Kontor für unsere Transportdienstleister“. Lutz Lauenroth von der DVZ berichtete. Der Beschluss das Zahlungsziel derart zu verlängern steht in Zusammenhang mit der Kooperation von DB Schenker mit dem Finanzdienstleister Taulia. Gemeinsam hat man ein sogenanntes „Fast Payment Programm“ initiiert. Fuhrunternehmen, die ihre Frachtraten „vorzeitig“ erhalten wollen, können dieses Programm nutzen. Kleiner Haken an der Sache: Je nach gewünschtem Auszahlungstag wird ein Abschlag fällig, der nach „äußerst attraktiven, tagesgenauen Zinsen“ berechnet werde, so ein Sprecher von DB Schenker gegenüber der DVZ.  Der LBT appellierte damals an die Fairness von Schenker und forderte das Unternehmen auf, seine Entscheidung nochmals zu überdenken. Bislang (Stand heute) sind Korrekturen oder Entschuldigungen seitens DB Schenker nicht bekannt.

Sicherlich hat man auch bei DB Schenker unter der Corona Krise zu leiden, das wird niemand bestreiten wollen. Doch für viele stellt sich die Frage, ob ein Unternehmen, dass über die Firmenmutter Deutsche Bahn der öffentlichen Hand und damit dem Steuerzahler gehört, wirklich so hart gegen angeschlossene Sub Unternehmer vorgehen muss, oder doch eher als gutes Beispiel voran gehen sollte. Es wird auch eine Zeit nach Corona geben.  

Quellen:
Boerse.ard.de
Kicker.de
Eurotransport.de
Dvz.de